Justizvollzugsanstalt Pöschwies

Seelsorge

Seelsorge

Seelsorge in einer Justizvollzugsanstalt bedeutet, Menschen zu begegnen, die in Unfreiheit leben, da sie von der Justiz verurteilt wurden. Seelsorgerliche Begegnungen sind vom Versuch geprägt, nicht die vorhandenen Defizite des Gefangenen in den Blick zu nehmen, sondern das wahrzunehmen, was ihn in seiner gegenwärtigen Situation beschäftigt und die vorhandenen Ressourcen zu entdecken und zu fördern. Dabei geht Seelsorge davon aus, dass Menschen sich zu jedem Zeitpunkt ihres Lebens verändern und neue Wege einschlagen können. Jedem Mensch kommt unverbrüchlich die Würde zu, von Gott geschaffen zu sein. Diese Würde ist unauslöschlich und unabhängig von seinen Taten. Aufgabe der Seelsorge ist es, gemeinsam mit dem Gefangenen u.a. herauszufinden, wie ein neuer Weg für ihn aussehen könnte, wo die Stolpersteine liegen und welche Fragen beantwortet werden müssen, damit das möglich ist. Gefangene sind für die christliche Seelsorge keine Ausnahmen, die als einzige auf der Suche nach neuen, besseren, freieren Lebenswegen sind. Das geht grundsätzlich allen Menschen ähnlich. Es ist eine lebenslange Aufgabe die Liebe zu Gott, zu sich selbst und zu den Mitmenschen zu verwirklichen. Seelsorge ist ursprünglich ein christlicher Begriff. In der multireligiösen und multikulturellen Welt der Justizvollzugsanstalt ist es jedoch auch für Geistliche der anderen hier vertretenen Konfessionen und Religionen wichtig geworden, auf ähnliche Weise seelsorgerlich tätig zu werden, wie es das Christentum seit den Anfängen der ersten christlichen Gefangenen im römischen Reich getan hat. Im Gespräch miteinander lernen die Geistlichen in der JVA voneinander und pflegen einen engen Kontakt zum Wohl der Gefangenen genauso, wie zum Wohl der Gesellschaft ausserhalb der Mauern.

Reformiertes und katholisches Pfarramt in der JVA Pöschwies

Die ökumenische Zusammenarbeit ist ein wichtiger Faktor für die Seelsorge in der JVA. Die Seelsorger schauen dabei nicht auf das, was sie möglicherweise trennen mag, sondern engagieren sich gemeinsam für die Gefangenen und das Personal. Zentral ist in der Seelsorgearbeit das Einzelgespräch. Dabei ist nicht die Konfession des Gefangenen entscheidend, sondern die Kompetenzen, die sich die Seelsorger erworben haben und welcher Gefangene mit welchem Seelsorger leichter eine vertrauensvolle Beziehung aufbauen kann.
Wir versuchen immer wieder Gruppenaktivitäten anzubieten. Dabei soll aber nicht das Gespräch im Vordergrund stehen. Es werden auch andere Fähigkeiten angesprochen. Unser Spektrum ist breit und reicht von der klassischen Bibelgruppe zu bestimmten Themen bis hin zu Chor- und Hip-Hop-Projekten.
Der sonntägliche Gottesdienst ist enorm wichtig, weil er eine einzigartige Gemeinschaft fördert. Es sind Menschen die auf Gott hören unter der Wirklichkeit von Unfreiheit. Sie alle sind in der Vergangenheit zu Tätern geworden und haben Verantwortung für die Opfer zu übernehmen. Christus wendet sich in Abendmahl und Eucharistie zur Gemeinschaft derer, die sich um seinen Tisch versammeln. Seine Botschaft ist Freiheit, Vergebung, Annahme und Liebe.
Für Gefangene, die den Tod eines geliebten Menschen zu beklagen haben und nicht an die Beerdigungsfeier gehen können oder wollen, bieten wir nach Möglichkeit zeitgleich eine Trauerfeier im Andachtsraum der JVA an. Dort werden auch Trauerfeiern durchgeführt, in den seltenen Fällen, in denen Gefangene in Haft sterben.
Selbstverständlich stehen wir auch dem Personal der JVA zu einem privaten Gespräch zur Verfügung. Wie in den Kirchgemeinden und Pfarreien ausserhalb der Mauern finden diese seelsorgerlichen Begegnungen meistens auf der Schwelle statt, sei es beim gemeinsamen Zmittag, bei einer kurzen Begegnung auf dem Gelände oder wenn Menschen an unseren offenen Bürotüren im Sozialzentrum vorbeikommen und auf ein paar Worte stehen bleiben.
Die Gefangenen des offenen Vollzugs werden konzeptionell durch ‚offene Männerarbeit‘ betreut. Dazu werden immer wieder Angebote im Haus Lägern ausgeschrieben und mit den Interessierten durchgeführt. So ist es möglich, guten seelsorgerlichen Kontakt zu den Männern zu halten, die vergleichsweise nur kurz in Haft sind.
Im Kurzstrafenvollzug der JVA arbeitet ein ökumenisches Team von zwei Seelsorgenden, die jeweils einen halben Tag für Gespräche zur Verfügung stehen und nach Bedarf Gottesdienste feiern.
 

Imame

Der erste Imam begann vor ca. 30 Jahren in der Strafanstalt Regensdorf. Mittlerweile arbeiten drei Imame in der JVA Pöschwies mit einem Pensum von ein paar Stunden pro Woche. In sprachlicher Hinsicht werden nebst deutscher auch arabische, türkische, albanische und englische Gespräche geführt, da die muslimische Landschaft in der Schweiz sehr heterogen ist – auch in der JVA Pöschwies. Die wichtigste Aufgabe ist aber das Leiten des gemeinsamen Freitagsgebets. Diese wird am Freitag während dem Mittag bzw. nach dem Mittag geführt. Diese Aufgabe wird wöchentlich alternierend von einem Imam geführt. Jeweils am Freitagabend wird in einer begrenzten Anzahl in der Gruppe der Koran auf Arabisch rezitiert und die Bedeutung auf Deutsch übersetzt.

Das Freitagsgebet
Vor dem Freitagsgebet wird die rituelle Waschung als Vorbereitung auf das Gebet genommen. Das Freitagsgebet ist ein Gemeinschaftsgebet, das hinter dem Imam verrichtet wird. Jeder gesunde und männliche Muslim muss an ihm teilnehmen. Die Predigt davor, die hauptsächlich auf Deutsch gehalten wird, gilt als ein Teil des Gebetes und darf nicht versäumt werden. Dabei werden Themen von allgemeinem Interesse und Aktualität, religiöse wie soziale, z. B. gewisse Verhaltensregeln, erläutert. Mit einem Bittgebet wird das Freitagsgebet abgeschlossen.

Regelmässige Aufgaben eines Imam in der JVA Pöschwies:

  • Gemeinsames Freitagsgebet im Andachtsraum und anderen Abteilungen
  • Koran-Rezitation in der Gruppe, Text verstehen im Bezug auf die heutigen Begebenheiten
  • Islamische Festtage mit den Gefangenen feiern
  • Seelsorgerliche Einzel- und Gruppengespräche mit Insassen in verschiedenen Abteilungen
  • Unterstützung bei Fragenstellung der Direktion im interreligiösen und –kulturellen Bereich
  • Regelmässige Sitzungen mit Pfarrern und dem Gefängnisdirektor
  • Mitgestaltung der interreligiösen Gottesdienste