Seelsorge

Seelsorge in den Vollzugsanstalten

Der Begriff «Seelsorge» ist traditionell ein christlicher Begriff. In den Vollzugsanstalten des Justizvollzugs sind viele Religionen und Glaubensbekenntnisse vertreten. Es wäre deshalb richtiger, statt von Seelsorge allgemeiner von religiöser Betreuung zu sprechen. In der Justizvollzugsanstalt Pöschwies, im Massnahmenzentrum Uitikon und in den Gefängnissen sind nebst den christlichen Seelsorgerinnen und Seelsorgern auch Imame und Rabbiner für diese Betreuung zuständig. Sie werden für ihre Tätigkeit von den Direktionen der Hauptabteilungen akkreditiert.

Rahmenbedingungen und Durchführung

Aufgrund der historischen Verwurzelung der Schweiz im Christentum ist die christliche Gefängnisseelsorge am stärksten institutionalisiert. Reformierte und katholische Gefängnispfarrer/-innen und -seelsorger/-innen erfüllen diese Aufgabe im Auftrag der evangelisch-reformierten und der katholischen Kirche in den zürcherischen Vollzugsanstalten. Der Dienst ist für alle Inhaftierten und für das Personal offen und wird von Menschen jeder Religionszugehörigkeit, bisweilen auch von solchen, die sich als ungläubig bezeichnen, genutzt.

Die Gefängnisseelsorge wendet sich den Problemen, Sorgen und Ängsten von Gefangenen und ihrer Betreuer zu. Der Schwerpunkt liegt auf der Betreuung der Gefangenen. Die Seelsorge unterstützt sie dabei, die Schwierigkeiten des Lebens in Unfreiheit zu bewältigen, hilft ihnen in persönlichen Krisen und begleitet sie auf dem Prozess der Anerkennung und Verarbeitung von Schuld. Neben Einzelgesprächen, die ausdrücklich auch von Inhaftierten anderer Religionszugehörigkeit gewünscht werden, beinhalten die Angebote der Seelsorge auch Veranstaltungen, die das Gemeinschaftsgefühl fördern. Dazu gehören regelmässige Gottesdienste und Meditationen sowie Konzert- und Diskussionsveranstaltungen.

Seelsorge versteht sich als Dienst am Nächsten und als Hinwendung zur Seele im Geiste des Evangeliums. Sie nimmt jeden Menschen in seiner ihm eigenen Lebenswirklichkeit wahr, hilft dabei, Geschehenes ins Leben zu integrieren und Verantwortung zu übernehmen. Seelsorge für Gefangene wirkt für Umkehr und Versöhnung, in der Gewissheit, dass die Würde des Menschen nicht verloren geht.

Seelsorge findet in einem Klima des Vertrauens statt. Die Pfarrer/-innen und Seelsorger/-innen unterstehen der Geheimhaltungspflicht und sorgen dafür, dass die Seelsorgegespräche in einem geschützten Rahmen stattfinden. So kann sich im geschlossenen Raum des Strafvollzugs der Raum öffnen, der zu Wandlung führt und es möglich macht, dem Leben eine neue Richtung zu geben.